Erwartungen


 

Manche Tage sind schwerer als andere. Und ich glaube, so viel hängt davon ab, welche Erwartungen wir haben. Erwartungen an uns selbst: Unser Verhalten, unser Aussehen, wie wir uns fühlen... Und Erwartungen an unser Umfeld: Wie es auf uns reagiert, was uns geboten wird oder welche Möglichkeiten wir haben.

Was ich an solch einem Tag immer wieder feststelle - und das war eines der wichtigsten Dinge, die ich von Eckhart Tolle gelernt habe - ist, dass vor allem der Widerstand gegen das Jetzt mich unglücklich macht. Und meistens, das ist das Fatale, ist das Störende noch nicht einmal im Moment zu finden. Aber mein Verstand holt die Vergangenheit oder die Zukunft in das Jetzt, projiziert oder visualisiert, und dann befällt mich ein Widerstand gegen das, was ich denke, was war oder sein wird.

Häufig schaffen wir uns unsere Probleme selbst, denn im Jetzt sind sie selten zu finden. Radikale Akzeptanz ist eine der Prämissen der DBT (Dialektik Behavioural Therapy). Was man nicht ändern kann, muss man annehmen. Radikal, ganz genauso wie es sich präsentiert. Sonst macht man einfach nur sich selbst unglücklich.

Am schwersten finde ich Situationen, die ich ändern könnte, nur nicht genau weiß wie. Oder sogar weiß wie, aber ich kann von mir aus nur den ersten Schritt machen und muss Geduld haben, was sich daraus entwickelt. Mein Verstand macht daraus einen Absolutheitsanspruch. So furchtbar wie es jetzt ist, wird es immer sein. Schließlich versuche ich etwas zu ändern und es passiert nichts. 

Schwer ist es auch, sich nicht verletzt oder übergangen zu fühlen von einer Person, welche die eigenen Erwartungen dann nicht erfüllt, wenn man versucht etwas zu ändern. Dabei weiß sich vielleicht auch gar nichts von den Erwartungen oder Umstände hindern sie daran, diese zu erfüllen. Selten weiß man, was im Kopf oder im Leben einer anderen Person los ist. Sie zu verurteilen für das, was sie nicht tut, ist daher häufig zu kurz gegriffen.


Ich weiß also all dies. Und trotzdem fühle ich alle Gefühle, die ich wegrationalisieren möchte. 

 

Aber ich weiß auch, dass Gefühle nur temporär sind. In Sekundenschnelle kann sich meine ganze Sicht auf diesen Tag oder in Extremfällen mein Leben verändern. Ich weiß, ich werde hier nicht steckenbleiben. Aber vor allem weiß ich: Ich muss mich in Geduld üben! In Geduld, um in Ruhe, mit Sicherheit und Zufriedenheit auf den Moment warten zu können, in dem sich alles ändern wird. 

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